50 Jahre sind immerhin ein Zeitabschnitt, der es uns angebracht erscheinen lässt, Rückblick auf das Werden und Geschehen zu halten, das sich innerhalb eines Sportvereins abspielt, der sich ausschließlich dem Kampfsport verschrieben hat. Der sportliche Kampf Mann gegen Mann hat etwas Faszinierendes, etwas Mitreißendes, der sich zu dramatischen Höhepunkten steigern kann, aber nie die Fairness des sportlichen Anstandes verletzen darf.

Aus diesem Grunde werden auch viele begeisterte Anhänger des Boxsports in seinen Bann geschlagen und sind unauslöschlich mit ihm verbunden. Jeder Aktive erinnert sich immer wieder gerne der Tage, in denen er durch Selbstdisziplin zund durch Unterordnung seines Körpers ein hartes Training an den Erfolgen seiner Mannschaft teilhaben durfte. Er kann sich von diesem Fluidum des Kampfsports im seilumspannten Viereck nicht mehr lösen, er bleibt ihm verhaftet und trägt zu einem nicht unwesentlichen Teil dazu bei, unsere Jugend für die Härte des Lebenskampfes zu erziehen.

Boxclub Ringfrei 1921 Oberhausen e.V.

Als vor 50 Jahren, am 28. August 1921 der Box-Club Ringfrei Oberhausen gegründet wurde, hatten wir gerade den ersten Weltkrieg hinter uns. Nichts war uns erspart geblieben, und doch machten in Deutschland Männer von sich reden, die einem Kampfsport huldigten. Zu ihnen gehörte der verstorbene Schornsteinfeger Hermann Seeger, der als der eigentliche Gründer des Oberhausener Amateur-Box-Sports und des Box-Club Ringfrei anzusehen ist.

Herman Seeger hatte 1918 seinen Militärrock ausgezogen, er hatte den ersten Weltkrieg als Artillerist in Frankreich mitgemacht, kam nach Hause und hörte von Hans Breitensträter, der aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrt war, von seinen überragenden Erfolgen in Berlin und allenthalber in Deutschland. Seeger hatte von der Duboisschen Boxschule in Essen gehört. Schnell entschlossen nahm er mit Georg Biesenkamp, W. Biesenkamp, Mülheim, und Friedel Steinbrecher an einem Lehrgang in Essen teil. 1919 und 1920 erlernte Hermann Seeger in der Duboisschen Boxschule unter großen Kosten die Kunst, wie man damals Handschuhe schwang, und wie man in möglichst kurzer Zeit seinen Gegner horizontal schlagen konnte. Der raue Kampfstil wurde bevorzugt, es gab noch keine ausgefeilte Beinarbeit, keine Techniken und kein Schlagrepertoire. Es wurden 3 Runden rücksichtslos gekeilt. Dass bei dieser Art des Kampfstils oftmals mehr als notwendig Haare gelassen werden mussten, blieb nicht aus.

Boxclub Ringfrei 1921 Oberhausen e.V.

Im Jahre 1921 hatte Seeger seine boxerischen Fähigkeiten so weit ausgebildet, dass er daran denken konnte, einen Box-Club zu gründen. Im späteren langjährigen Vereinslokal Pilzecker fand die Gründungsversammlung statt. Der erste Propagandaboxkampf hatte am 20. August 1921, etwa acht Tage vor der Gründungsversmammlung stattgefunden. Veranstalter war ein Herr Malessa, Dortmund, der mit dem Box-Club Olymp Dortmund seine Kämpfer stellte. Malessa wurde in dieser Gründungsversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt, Seeger wurde Trainer und übernahm mit nur wenigen Freunden die Ausbildung einer Kampfmannschaft. Geld und Trainingsgeräte waren nicht vorhanden, und doch brachten Idealismus und persönliche Opfer der Mitglieder nach und nach Handschuhe, Kampfringe, Sandsack und Doppelendball zusammen. Jetzt begann der Kampf um die Daseinsberechtigung. Der Öffentlichkeit musste der Nachweis erbracht werden, dass es sich hier um einen regelrechten Amateursport handele.

Vorurteile und Misstrauen mussten in einem großzügigen Propagandafeldzug mit Unterstützung der Presse behoben werden. Die damalige Turn- und Sportzeitung im Verlage Jakob Witzler stellte ihre Spalten bereitwillig zur Verfügung. Schon nach kurzer Zeit übernahm Seeger auch den Vorsitz, trainierte und leitete den Verein unter persönlichen und großen finanziellen Opfern. Ende 1921 schloss sich der Verfasse der Chronik dem Box-Club Ringfrei an und betätigte sich zunächst aktiv in der Kampfmannschaft des Vereins. Seeger war für die damalige Zeit ein vorzüglicher Techniker, schnell auf den Beinen und hart im Schlag; bald war die Mannschaft kampffertig. Anfang 1922 startete man in Mülheim zum ersten Mannschaftskampf gegen die Mülheimer Faustkämpfer. Am 13. August 1922 stieg in Oberhausen-Alstaden der erste Mannschaftskampf in Oberhausen, als Rückkampf gegen die Mülheimer Faustkämpfer. Im Bürgerhaus in Oberhausen-Alstaden kämpfte Ringfrei mit nachstehenden Kämpfern: Otto Gross, Paul Schwenk, Peter Berg, W. Schneider, Fritz Smit, Gustav Ihmig, Artur Schwenk, Bernard van der List und Hermann Seeger. Die Oberhausener wurden im eigenen Ring knapp geschlagen. Die Öffentlichkeit hatte regen Anteil genommen, der Besuch war zufrieden stellend, so dass man an weitere Veranstaltungen denken konnte.

Boxclub Ringfrei 1921 Oberhausen e.V.

Der erste Start der Oberhausener Mannschaft überhaupt fand gegen den befreundeten Verein Mülheimer Faustkämpfer in Mülheim am 18.03.1922 statt. Hier startete die Mannschaft mit Kratz, Berger, Schneider, Kachelek, Schwenk, Beisenbruch, Bartz, Ihmig, Hekevoss, van der List, Gebauer und Hermann Seeger im Hauptkampf über 10 Runden gegen Tomkowiak, Essen.

Am 13.11.1921 wurde Hermann Seeger 1. Vorsitzender zu seinem Amt als Trainer, da der Vorsitzende Malessa in Dortmund wohnte und sich nicht um die Geschicke des Vereins kümmern konnte. Deutschbein wurde Ehrenmitglied und Gustav Ihmig 2. trainer. Am 28.05.1922 wurde Henkevoss zum 2. Trainer bestellt und Ihmig am 10.10.1922 2. Vorsitzender.

Am 17.11.1922 wurden die Herren Witzler und Bonnmann zu Ehrenmitgliedern erklärt, da Witzler sich in außerordentlichem Einsatz als Presse- und Propagandafachmann und Bonnmann durch kostenlose Zurfügungstellung seiner Gasträume als Trainingsquartier verdient gemacht hatten.

Am 03.03.1923 wurde Gustav Ihmig 1. und Hans Link 2. Vorsitzender; Seeger stiftete dem Verein seinen Kampfring und Fritz Hollbach schenkte dem Verein einen Sandsack.

In der Jahreshauptversammlung am 14.01.1924 wurde Willi Briesemeister 1. Vorsitzender und Oswald Senke sen. Erstmalig 2. Vorsitzender. Geschäfts- und Schriftführer Paul Dorn und Franz Witzler 1. Kassierer. Seeger und Link blieben Trainer.

Berücksichtigt man, dass die gesamten Vorstandsmitglieder mit Ausnahme von Senke sen. Alles aktive Boxer waren, dazu eben erst die Schwierigkeiten einer Inflation überwunden hatten, so wird man ihren unermüdlichen Einsatz als fanatische Idealisten zu schätzen wissen.
Fortgesetzt mussten in diesen Jahre Eintrittsgelder und Beiträge erhöht werden. Waren die Beiträge eben erst von 50 000 Mark auf 1 Million und die Eintrittsgelder zu unseren Veranstaltungen auf Milliarden geschnellt, so hatte uns die Inflation schon wieder überholt.

Am 10. Juni 1924 wurde Heinz Höffkes erstmalig Geschäftsführer, und in der Jahreshauptversammlung vom 11.01.1925 zum 1. Vorsitzenden gewählt, Witzler zum Geschäftsführer und Dephoff zum Kassierer.
Seit dieser Zeit datiert der kraftvolle Aufstieg des BC Ringfrei, der sich am 6. Juli 1924 unter der neuen Bezeichnung Box- und Fecht-Club vormals Box-Club Ringfrei konstituiert hatte. Für die Einmütigkeit des gesamten Vereins und des Vorstandes sei die Tatsache registriert, dass der Vorstand in der gleichen Besetzung mit Höffkes, Witzler und Dephoff bis zum Jahre 1930 die Geschicke des Vereins leiten konnte.

Ab 1926 wurde zur Unterstützung Hermann Seegers der Berufsboxer Hanns Linke, Duisburg, verpflichtet, der bis zum Jahre 1932 die Mannschaft mit Seeger ausbildete. Ab Januar 1927 wurde Hein Wolterhoff Jugendwart und 2. Trainer. Der Kern der 1. Mannschaft war und blieb Hermann Seeger, der von 1921 bis 1925 in allen Mannschaftskämpfen die Hauptkämpfe bis ins Schwergewicht bestritt.

Mit Trainer Linke Linke war eine langsame aber stetige Formverbesserung in technischer Hinsicht festzustellen. Koppers, Göser II, Kartz, Matten und Wolterhoff konnte erstmalig 1926 mit Erfolg an den Bezirksmeisterschaften teilnehmen.

In den nächsten Jahren wurden Matten und Göser international aufgestellt, sie starteten in Paris und Luxemburg. Unsere zielbewusste Trainingsarbeit brachte uns dann 1928/29 die ersten großen Erfolge.
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Franz Witzler